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Rheinhessischer Turnerbund e.V.
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TV Bodenheim: Hanna Lipp turnt vor 3500 Fans

GT Hanna Lipp 2018„Total aufgeregt“ war Hanna Lipp vor ihrem ersten Auftritt bei einem nationalen Wettkampf. Am Ende belegte die 16-Jährige vom TV Bodenheim bei der DM Rang 19.

 

LEIPZIG - Eigentlich ist der Schwebebalken Hanna Lipps Lieblingsgerät. Doch im Mehrkampf der Deutschen Meisterschaften von Leipzig musste die 16-jährige Turnerin des TV Bodenheim gleich bei drei akrobatischen Elementen den Kampf gegen die Schwerkraft auf dem nur zehn Zentimeter schmalen Grat verloren geben. Unter anderem beim Salto vorwärts, den sie erstmals im Wettkampf probierte. „Ich war total aufgeregt“, erklärte die Schülerin, die am Ende mit 39 Punkten den 19. Platz belegte. Nicht nur, weil es ihr erster Start überhaupt bei den nationalen Titelkämpfen der Aktiven war. Sondern auch, weil sie die Zuschauerkulisse in der Arena der sächsischen Stadt beeindruckte.

Etwa 3500 Fans waren gekommen, um Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer, die alte und neue Vierkampf-Königin Elisabeth Seitz oder auch die Olympiadritte am Stufenbarren, Sophie Scheder, an den Geräten zu sehen.
Debütantin Lipp bekam von den Stars nicht viel mit. „Sie haben in anderen Riegen geturnt“, da habe man keinen Kontakt. Zudem wollte sie sich sowieso auf ihren eigenen Wettkampf konzentrieren.
Das gelang der zielstrebigen Athletin nach dem verpatzten Auftakt recht gut. „Ich weiß, dass ich es besser kann“, betonte sie. So müsse man eben „den Kopf hoch nehmen und weitermachen“. Im Alltag fällt das dem Bewegungstalent, das sich selbst als „sehr selbstkritisch“ bezeichnet, oft nicht leicht. Da hadert Lipp gerne mal, wenn etwas nicht so läuft wie gewünscht. Doch auf der großen Bühne fand sie schnell wieder in den Wettkampfmodus zurück. Bis auf ein paar kleinere Fehler spulte sie die übrigen drei Programme ordentlich ab.
Trainerin Kerstin Sinsel zeigte sich ob dieser positiven Einstellung zufrieden. „Für uns war schon die Qualifikation für hier ein Erfolg“, erklärte sie. 45 Punkte waren dafür bei den rheinland-pfälzischen Landesmeisterschaften im Juni nötig, und Lipp, die dort den Titel holte, toppte diese Vorgabe. Als einzige Vertreterin ihres Bundeslandes schaffte sie so den Sprung unter die besten 24 Deutschlands.
Dabei übt sie ihre Überschläge und Schwünge längst nicht so oft wie die meisten ihrer Konkurrentinnen. Viermal in der Woche fährt Lipp mit dem Zug die etwa 20 Minuten lange Strecke, um in der Mainzer Uni-Halle bei Sinsel Neues zu lernen und Gekonntes zu optimieren. Mehr ist nicht möglich, seitdem die frühere Trainingsstätte im eigenen Ort nicht mehr steht. Zudem geht G-8-Schülerin Lipp auf eine Ganztagsschule, in der der Unterricht bis 16 Uhr dauert. „Das ist eine hohe Belastung“, erklärt Sinsel, die die Turnerin seit zehn Jahren betreut. Das hat die beiden zusammengeschweißt und mit dafür gesorgt, dass Lipp, die zwei Jahre lang im Nachwuchs-Bundeskader stand, sich gegen die Möglichkeit entschied, ins Leistungszentrum nach Mannheim zu wechseln. „Ich wollte im Verein bleiben und Kerstin nicht verlassen“, erklärt sie. Trainerin Sinsel bestätigt: „Wir sind ein tolles Team.“ 
 
Eines, das zusammen noch viel vorhat. Denn trotz des schwierigen Einstiegs hat das Dabeisein bei den bundesweit stärksten Bewegungskünstlerinnen der Bodenheimerin „viel Spaß“ gemacht, und sie würde es gerne wiederholen. Allerdings beginnt für die Elftklässlerin im Sommer 2019 das letzte Schuljahr, und da könnte der Sport erst mal in den Hintergrund treten. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, nicht zu turnen“, betont sie. Immer wieder andere Elemente zu lernen, sich zu verbessern und dann ihr Können im Wettkampf zu zeigen, das treibt Hanna Lipp weiter an.
 
Foto: Lipp